07.07.26

Thunderstorm Asthma – So schützen Sie sich bei Gewitter und Pollenflug

Ein Ratgeber für Allergiker:innen und alle, die sicher durch die Pollensaison kommen möchten.

Was ist Thunderstorm Asthma?

Wenn während der Gräserblüte ein Gewitter auf hohe Pollenkonzentrationen trifft, kann es zu einem seltenen, aber ernstzunehmenden Phänomen kommen: Thunderstorm Asthma. Dabei treten innerhalb kurzer Zeit gehäuft schwere Asthmaanfälle auf – auch bei Menschen, die zuvor keine Asthma-Diagnose hatten.

Das bislang schwerste dokumentierte Ereignis ereignete sich am 21. November 2016 in Melbourne, Australien. Innerhalb weniger Stunden wurden dort über 8.900 medizinische Notfälle registriert, 9 Menschen starben, und insgesamt kam es zu 13.689 asthma-bezogenen Behandlungen1,2. Dieses Ereignis hat die Forschung zu Thunderstorm Asthma weltweit vorangetrieben.

Im Kern geht es um das Zusammenspiel von drei Faktoren: Pollen, Gewitter und Atemnot.

Wie entsteht die Gefahr?

Der Entstehungsmechanismus von Thunderstorm Asthma lässt sich in vier Schritten beschreiben:

  1. Gewitterböen wirbeln Gräserpollen auf – Starke Fallwinde vor einem Gewitter reißen Pollen vom Boden und konzentrieren sie in der Luft.
  2. Pollen nehmen Wasser auf – In der feuchten Gewitterluft saugen sich die Pollenkörner voll und quellen auf.
  3. Pollen platzt und setzen Partikel frei – Durch osmotischen Druck zerplatzen die Pollenkörner. Dabei werden winzige Bruchstücke, sogenannte Sub-Pollen-Partikel, freigesetzt.
  4. Kleinstpartikel dringen tief in die Bronchien ein – Diese Partikel sind so klein, dass sie bis in die feinsten Verästelungen der Lunge vordringen und dort Entzündungsreaktionen sowie Asthmaanfälle auslösen können.

Aktuelle Forschung zeigt zudem: Auch elektrische Felder im Gewitter können Pollen zum Platzen bringen. Eine Studie aus dem Jahr 2026 belegt, dass atmosphärische elektrische Ladungen das Aufbrechen von Weidelgras-Pollen und die Freisetzung von Sub-Pollen-Partikeln erheblich beschleunigen können3.

Wer ist besonders gefährdet?

Nicht jede Person reagiert gleich empfindlich auf Thunderstorm Asthma. Besonders gefährdet sind:

  1. Menschen mit Asthma – Sie haben eine erhöhte Anfälligkeit für plötzliche Atemwegsreaktionen.
  2. Allergiker:innen mit Gräserpollen-Allergie – Sie bilden die häufigste Risikogruppe, auch wenn bisher kein Asthma diagnostiziert wurde.
  3. Menschen mit Heuschnupfen – Auch ohne bekannte Asthma-Diagnose kann Heuschnupfen das Risiko erhöhen, da die allergische Entzündung die Atemwege empfindlicher macht.
  4. Kinder und ältere Menschen – Ihre Atemwege sind empfindlicher, daher ist besondere Vorsicht geboten.

Auch Personen mit COPD oder anderen chronischen Atemwegserkrankungen können betroffen sein. Studien zeigen, dass rund ein Drittel der Betroffenen beim Melbourne-Ereignis zuvor keine Asthma-Diagnose hatte1.

Wichtiger Hinweis: Wer während oder nach einem Gewitter asthmaähnliche Symptome wie Atemnot, Husten oder Engegefühl in der Brust bemerkt, sollte diesen Vorfall unbedingt ärztlich abklären lassen. Schildern Sie der Ärztin oder dem Arzt genau, wann und unter welchen Umständen die Beschwerden aufgetreten sind. Auch wenn die Symptome nur einmalig auftraten, kann dies ein Hinweis auf eine zugrundeliegende allergische Veranlagung sein, die behandelt werden sollte.

Schutz bei Gewitter – Vier Maßnahmen

Mit einfachen Vorsichtsmaßnahmen lässt sich das Risiko deutlich senken.

Drinnen bleiben

Sobald ein Gewitter aufzieht, gilt: Fenster und Türen schließen. Die eigenen Wohnräume dienen als Schutzraum. Weitere Empfehlungen:

  1. Klimaanlage (im Auto) auf Umluft stellen, damit keine pollenbelastete Außenluft hereinkommt.
  2. Erst nach dem Gewitter lüften, wenn die Luft durch den Regen gereinigt ist.
  3. Pollenschutzgitter an Fenstern sind eine sinnvolle zusätzliche Investition.

Luftreiniger einsetzen

Für Allergiker:innen kann sich die Anschaffung eines Luftreinigers mit HEPA-Filter lohnen. Moderne Geräte mit fortschrittlicher Filtertechnik sind in der Lage, nicht nur Pollen und Feinstaub aus der Raumluft zu entfernen, sondern – je nach Ausstattung mit einem Aktivkohlefilter oder speziellen Katalysatoren – auch Ozon abzubauen, das bei Gewittern in erhöhter Konzentration auftreten kann. Achten Sie beim Kauf auf Geräte, die explizit für Allergiker:innen geeignet sind und über einen mehrstufigen Filtersystem verfügen.

Medikamente bereithalten

Asthmaspray und Antihistaminika immer griffbereit haben – auch unterwegs, nicht nur zuhause. Das bedeutet konkret:

  1. Notfallspray wie ärztlich verordnet einsetzen.
  2. Antihistaminika (Allergietabletten) können helfen, die allergische Komponente abzumildern.
  3. Keine eigenmächtige Dosisänderung – sprechen Sie vorab mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
  4. Ein kleiner Medikamenten-Beutel in der Tasche gibt Sicherheit.

Pollenberichte verfolgen

Regelmäßig die Pollenflug-Vorhersage checken – besonders an Tagen mit Gewitterwarnung. Hilfreiche Anlaufstellen:

  1. Apps: Pollen+, PASYFO mit stundengenauen Prognosen oder auch Airmatters.
  2. Web: Österreichischer Polleninformationsdienst 
  3. Besondere Wachsamkeit bei: hohem Gräserpollenflug in Kombination mit Gewittervorhersage

Tipp: Aktivieren Sie Gewitterwarnungen in Ihren Apps, damit Sie rechtzeitig informiert werden und haben Sie das Asthmawetter im Auge.

Mit diesen Schritten sind Sie gut vorbereitet.

Sicher durch die Pollensaison

Thunderstorm Asthma ist selten – aber Vorbereitung gibt Sicherheit. Mit diesen Maßnahmen schützen Sie sich und Ihre Liebsten:

  1. Drinnen bleiben → Fenster und Türen schließen
  2. Moderne Luftfiltergeräte verwenden → Belastung reduzieren
  3. Medikamente griffbereit → Immer dabeihaben
  4. Pollenvorhersagen täglich checken → Rechtzeitig informiert sein

Bei Fragen sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apothekerin. Weitere Informationen finden Sie beim Österreichischen Polleninformationsdienst.

Literatur

1 Thien, F., et al. (2018). The Melbourne epidemic thunderstorm asthma event 2016: an investigation of environmental triggers, effect on health services, and patient risk factors. The Lancet Planetary Health, 2(6), e255–e263.

2 Venkatesan, P. (2022). Epidemic thunderstorm asthma. The Lancet Respiratory Medicine, 10(4), 325–326.

3 Venkatesan, S., et al. (2026). Impact of atmospheric electrical charges on ryegrass pollen rupture and sub-pollen particle release. Scientific Reports.

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